02 Mrz

Schadensersatzpflicht eines Tierarztes bei Verletzung seiner vertraglichen Aufklärungspflicht

Das Oberlandesgericht Hamm hatte sich in seinem Urteil vom 12.09.2016, Aktenzeichen 3 U 28/16 mit folgendem Fall zu befassen:

Die Klägerin hatte den beklagten Tierarzt mit der Kastration ihres Hengstes beauftragt. Der beklagte Tierarzt hat die Klägerin vor dem Eingriff nicht hinreichend über die Risiken aufgeklärt und bei der Kastration zudem einen groben Behandlungsfehler begangen, der schließlich zum Tod des Tieres geführt hat. Die Klägerin verlangte nun Schadensersatz sowie die Feststellung, dass dem beklagten Tierarzt kein Honoraranspruch für die durchgeführte Kastration zusteht.

Das Oberlandesgericht Hamm hat in seiner Entscheidung ausgeführt, dass der beklagte Tierarzt die ihm aus dem Behandlungsvertrag obliegende Aufklärungspflicht verletzt hat. Dabei genügt es nicht, wenn der Tierarzt lediglich darüber informiert, dass aufgrund des Alters des Hengstes ein erhöhtes Risiko besteht, dass das Pferd beispielsweise länger an dem Eingriff leide. Er hätte die Klägerin vielmehr zunächst über die möglichen Kastrationsmethoden und deren unterschiedliche Risiken aufklären müssen.

Die fehlende Aufklärung der Klägerin wertet das Oberlandesgericht Hamm als groben Behandlungsfehler. Die hinreichende Aufklärung der Klägerin ist von weitreichender Bedeutung, weil es bei den verschiedenen Kastrationsmethoden um ganz spezielle Risiken geht, die bei einer Verwirklichung schwere Konsequenzen haben, wie sie in dem hier zu entscheidenden Fall auch eingetreten sind.

Das Oberlandesgericht Hamm hat auch antragsgemäß festgestellt, dass der beklagte Tierarzt keinen Anspruch auf Honorarzahlung für die durchgeführte Kastration hat. Auch wenn der beklagte Tierarzt die Kastration zwar vollständig durchgeführt hat, muss er sich entgegenhalten lassen, dass diese Kastration aufgrund eines groben Behandlungsfehlers zum Tod des Pferdes geführt hat und damit völlig unbrauchbar war. Somit war die Kastration für die Klägerin auch wertlos.