27 Feb

Schmerzensgeld nach Keiminfektion

Einem Patienten steht ein Schmerzensgeld in Höhe von 40.000 Euro zu, nachdem er sich im Krankenhaus mit MRSA- Keimen (multiresistenten Staphylokokken) infiziert hat, weil ein Krankenpflegeschüler einer Infusionskanüle Hygienevorschriften verletzt hat.

 

Sachverhalt

Der Kläger, ein 58-jähriger Elektriker, befand sich im März 2008 in stationärer Behandlung im beklagten Krankenhaus. Er erhielt zur Behandlung eines Tinnitus Infusionen über eine an seinem linken Arm gelegte Venenverweilkanüle. Nachdem ein Zivildienstleistender diese gezogen hatte, erlitt der Kläger eine MRSA- Infektion, die er auf nicht eingehaltene Hygienevorschriften beim Entfernen der Kanüle zurückgeführt hat. Der Kläger litt über Monate unter heftigen Schmerzen und zog sich einen Abzess im Bereich der Lendenwirbelsäule zu. Er verlangte vom beklagten Krankenhaus Schadensersatz und Schmerzensgeld.

 

Entscheidung des OLG Hamm vom 8. November 2013

Nachdem das Landgericht die Klage noch abgewiesen hatte, gab der 26. Zivilsenat des Oberlandesgerichts Hamm dem Kläger Recht. Die Richter sprachen dem Kläger 40.000 Euro Schmerzensgeld zu. Die Beweisaufnahme ergab, dass der Kläger die MRSA-Infektion erlitten habe, weil er im Krankenhaus der Beklagten grob fehlerhaft behandelt worden sei. Eine Haftung für eine Infizierung durch Keime kommt jedoch nur in Betracht, wenn der zu fordernde Qualitätsstandard unterschritten wird und dies auch ursächlich für eine Schädigung des Patienten war. Der Zivildienstleistende habe beim Entfernen der Infusionskanüle grundlegende Hygienevorschriften verletzt, weil er es versäumt habe, die Handschuhe zu wechseln, mit denen er zuvor einen Mitpatienten versorgt hatte. Ein medizinischer Sachverständiger führte aus, dass das Abstöpseln der Infusion ohne vorherige Desinfektionsmaßnahmen ein schwerer Verstoß gegen die elementaren Regeln der Hygiene gewesen sei. Durch den Behandlungsfehler sei der Kläger mit den MRSA-Keimen infiziert worden. Der Sachverständige habe bestätigt, dass die Einstichstelle der Kanüle eine „Eintrittspforte“ für Keime sei und der Behandlungsfehler zur Infektion des Klägers mit den danach aufgeführten Komplikationen geführt haben könne. Eine weitere Ursächlichkeit des Behandlungsfehlers für die Infektion müsse der Kläger nicht nachweisen, der grobe Behandlungsfehler führe insoweit zu einer Beweislastumkehr.

Bei der Bemessung des Schmerzensgeldes sei zu berücksichtigen, dass der Kläger infolge der Infektion arbeitsunfähig geworden sei. Sie habe zu schwerwiegenden Komplikationen geführt und langandauernde ärztliche Behandlungen erforderlich gemacht.

 

Fazit

Behandlungsfehler können auch bei fortschreitender medizinischer Entwicklung weiterhin passieren. Sofern sie den Verdacht hegen, Sie könnten nicht ordnungsgemäß ärztlich behandelt worden sein, wenden Sie sich schnellstmöglich an uns, um späteren Beweislastproblemen vorzubeugen.

 

Zum Urteil:

https://openjur.de/u/670711.html